Omega-3-Fettsäuren bei erhöhten Blutfettwerten?

Erhöhte Blutfettwerte können ein großes Risiko für die Herzgesundheit darstellen. Gesundheitsexpertin und Autorin Prof. Dr. Michaela Döll hat uns verraten, warum dem so ist, weshalb besonders Frauen gut auf ihr Herz achten sollten und was Schokolade und Omega-3-Fettsäuren damit zu tun haben.

 

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Der Herzinfarkt trifft am ehesten den gestressten, leistungsorientierten Mann. Richtig? Nein, falsch! Mittlerweile weiß man, dass Frauen mindestens genauso gefährdet sind. Gerade die Blutfettwerte sollten vor allem von Frauen im Auge behalten werden, denn die Mehrfachbelastung aus Beruf, Familie und Haushalt, aber auch hormonelle Umstellungen wie in den Wechseljahren stellen Risikofaktoren für einen erhöhten Überschuss an Blutfetten dar. Diese verursachen Ablagerungen in den Blutgefäßen, was ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für das Herz-Kreislauf-System darstellen kann. Doch die gute Nachricht: Es gibt Mittel und Wege, die auf ganz natürliche Weise zu normalen Blutfettwerten beitragen.

Cholesterin & Triglyceride – was hat es damit auf sich?

Blutfette, auch Lipide genannt, dienen unserem Organismus vor allem als Energielieferanten und sind somit lebensnotwendig für uns – solange sie nicht überhandnehmen. Zu den Blutfetten zählen unter anderem Cholesterin und Triglyceride. Sind hier die Werte zu hoch, schaden sie sowohl dem Herz als auch den Gefäßen. Auch ein dauerhaft erhöhter Blutdruck wirkt sich negativ auf die Gefäße aus, indem er die Ablagerung von den Fetten in den Gefäßen begünstigt. Langfristig kann dies zur Gefäßverkalkung, der sogenannten Arteriosklerose führen, was im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Folge haben kann.

Triglyceride und Cholesterin senken

Damit man den Zusammenhang zwischen der Ernährung und den Blutfettwerten verstehen kann, ist es essenziell den Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren zu kennen. Während ein Übermaß an gesättigten Fettsäuren, welche vor allem in frittierten Speisen, Fertigprodukten und Fleisch enthalten sind, die Blutfettwerte in die Höhe treiben, bewirken mehrfach ungesättigte Fettsäuren das Gegenteil. Im Verhältnis sollten daher immer mehr ungesättigte als gesättigte Fettsäuren konsumiert werden. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind vor allem in Wildfisch und den verschiedensten Pflanzenölen enthalten und können zum einen zu normalen Blutfettwerten und einem normalen Blutdruck beitragen und zum anderen die Herzgesundheit sowie das Hirn schützen.

Kann man Omega-3 über die Nahrung aufnehmen?

Der Körper kann Omega-3 nur in sehr geringen Mengen selbst produzieren – es muss daher über die Nahrung zugeführt werden. Um genügend Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen, müsste man mindestens drei Mal in der Woche hochwertigen Meeresfisch wie Lachs oder Makrele essen. In unseren Breitengraden gestaltet sich dies allerdings eher schwierig bzw. schafft dies aufgrund persönlicher Essgewohnheiten kaum jemand.

Auf der sicheren Seite mit Omega-3-Kapseln

Zwar gibt es auch noch weitere Lebensmittel die viel Omega-3 enthalten – etwa Lein- oder Waldnussöl -, dennoch bieten hochwertige Nahrungsergänzungsmittel (idealerweise Fischölkapseln) die beste (weil konstant hohe) Versorgung. Diese enthalten die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in konzentrierter Form und sind in Ihrer Apotheke erhältlich. Aber Achtung: nur wenn auf dem Produkt „Normale Blutfettwerte“ oder „Normaler Blutdruck“ steht, darf man davon ausgehen, dass die ausreichende Konzentration der beiden wichtigsten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA enthalten ist, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Denn nur diese beiden können Blutfettwerte und Blutdruck positiv beeinflussen.

Ein Tipp für alle Naschkatzen:

Auch dunkle Schokolade tut der Herzgesundheit gut. Sie enthält hochwertige Polyphenole, die durchblutungsfördernd wirken und den Fettstoffwechsel fördern.

Interview mit Prof. Dr. Michaela Döll

Prof. Dr. Michaela Döll beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Ernährungsmedizin (speziell die Vitalstoffmedizin), sowie mit der ganzheitlichen, naturheilkundlich orientierten Medizin und der Gesundheitsvorsorge.

 

Warum sind die Blutfettwerte für Frauen besonders wichtig?

Prof. Dr. Döll: Erhöhte Blutfettwerte stellen ganz allgemein einen Risikofaktor für die Herzkreislaufgesundheit dar und das ist bei uns Frauen natürlich auch so. Man hat lange geglaubt, dass Herzinfarkt und Schlaganfall vorzugsweise bei Männern vorkommen, aber jenseits der Menopause gleicht sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall in jedem Fall dem der Männer an. Frauen haben eine andere Anatomie des Herzens als Männer, beispielsweise etwa ein kleineres Herz und feinere Koronararterien. Außerdem haben wir Frauen sehr häufig auch Stressoren in unserem Leben. Durch Beruf, Kinder und Familie sind wir einer Doppel- und Dreifachbelastung ausgesetzt und all das trägt letztendlich dazu bei, dass der Herzinfarkt bei uns Frauen genauso ein Thema sein kann.

Häufig hört man im Zusammenhang mit erhöhten Blutfettwerten den Begriff „Arteriosklerose“. Können Sie uns den Begriff einmal verständlich erklären?

Prof. Dr. Döll: Wie wir heute wissen, ist Arteriosklerose eine entzündungsbedingte Erkrankung. Das heißt, es kommt zu Entzündungen in den Blutgefäßen, Blutzellen vermischen sich mit Entzündungszellen und Blutfetten und bilden dann die gefürchteten Plaques. Im Zuge dieser Plaque-Bildung kommt es auch zu einer Verschlechterung der Durchblutung, wodurch sich das Risiko für einen Herzinfarkt ebenfalls erhöht.

 

Angenommen, bei mir werden erhöhte Blutfettwerte festgestellt, was könnte ich als erste Maßnahme tun?

Prof. Dr. Döll: In erster Linie überlegt man dann, was man am Lebensstil oder an der Ernährung ändern kann. Das erfahre ich zumindest durch zahlreiche Gespräche, die ich auch durch meine Bücher mit den unterschiedlichsten Menschen führe. Mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung sind auf jeden Fall der erste Schritt in die richtige Richtung. Und es gibt natürlich auch gute Naturstoffe, die für die Gesunderhaltung des Herz-Kreislauf-Systems hilfreich sind.

Wenn Sie von Naturstoffen sprechen, was meinen Sie damit genau?

Prof. Dr. Döll: Einerseits dunkle Schokolade, die reich an sogenannten Polyphenolen ist. Diese wirken durchblutungsfördernd und haben zudem einen positiven Einfluss auf den Fettstoffwechsel. Wichtig ist, dass wir die dunkle Schokolade auswählen, da sie weniger Zucker enthält als Vollmilchschokolade. Doch viel wichtiger ist es, sich um seinen regelmäßigen Fischkonsum zu kümmern! Man sollte mindestens drei Mal in der Woche einen Kaltwasserfisch wie Hering, Lachs oder Makrele verzehren, denn darin sind wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten. EPA und DHA wirken sich ebenfalls günstig auf die Gefäßgesundheit sowie auf den Fettstoffwechsel aus.

 

Mehrmals pro Woche Schokolade zu essen schaffen wohl die meisten. Bei drei Mal pro Woche Fisch wird es schon schwieriger…

Prof. Dr. Döll: Stimmt. Verzehrstudien haben gezeigt, dass die Menschen und vor allem Frauen pro Woche um 60% zu wenig Fisch verzehren. Dadurch fehlen natürlich auch die wertvollen Omega-3-Fettsäuren.

 

Viele sehen Omega-3-Kapseln als gute Alternative zum Fischkonsum. In der Presse wird hierzu sehr unterschiedlich berichtet – sowohl über die Wirksamkeit als auch über die Qualität. Auch das Angebot ist sehr vielfältig…

Prof. Dr. Döll: Das Angebot ist in der Tat unübersichtlich geworden, umso wichtiger ist eine gute Beratung in der Apotheke. Denn es kommt bei diesen Produkten nicht darauf an wieviel Fischöl insgesamt vorhanden ist, sondern wie hoch der Anteil an genau diesen gefäßschützenden langkettigen Fettsäuren, also EPA und DHA ist. Denn nur diese verfügen über die positive Wirkung. Darüber hinaus haben große Studien gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren einerseits Gefäß-protektiv wirken und andererseits einer Plaquebildung in den Gefäßen entgegenwirken können.

 

Wie erkennt man als Laie, ob genug EPA und DHA in einem Fischölprodukt enthalten ist?

Prof. Dr. Döll: Nur wenn genügend EPA und DHA in diesen Präparaten enthalten sind, kann eine entsprechende Auslobung erfolgen. Auf der Packung sollte etwa „trägt zu normalen Blutfettwerten und zu normalem Blutdruck bei“ stehen.

 

Frau Professor Döll, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

Prof. Dr. Döll: Sehr gerne!

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